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Bericht über die Fahrradtour September 2002 an der Deutschen Weinstraße von Bockenheim bis F-Wissembourg (laut Angaben ca 85 km). Generell muß gesagt werden, daß die Pfalz ein sehr umfangreiches Radwegenetz hat und demzufolge die Beschilderung für einen Fremden verwirrend und irreführend ist. Es gibt keinen durchgehenden Radwegweiser für die Deutsche Weinstraße. Man kommt teilweise an Kreuzungen mit bis zu 6 Schildern, alle Weintraube auf grünem Grund mit Pfeilen in alle Richtungen, ohne jedoch eine Nummer oder Ortsnamen zu zeigen. Verfahren ist also angesagt, es sei denn, man fährt stur auf der Autostraße, was aber aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens, besonders an Wochenenden, kaum zu empfehlen ist. Auch läuft die landschaftlich schönere Strecke durchs Hinterland.

Wegen der häufigen, teilweise extremen Steigungen und Abfahrten würde ich diese Tour nur geübten Erwachsenen empfehlen, keineswegs Familien mit Kindern oder Freizeitradlern, wie dies oft in den entsprechenden Broschüren und Webseiten genannt wird.

Ablauf:

16.9.2002 40 km: ab Worms über Pfeddersheim + Hohen-Sülzen zum Beginn der Deutschen Weinstraße nach Bockenheim (16 km). Entlang der Straße  über Asselheim (aufpassen: wer den Ort besucht gerät leicht von der Route ab und landet im Eisbachtal. Im Ort stark bergauf Richtung Pfalzhotel und dann wieder auf die Hauptstraße) nach Grünstadt. Links gehts in die Innenstadt mit Fußgängerzone, geradeaus Richtung Sausenheim. Wegen Weinfestes war keine Übernachtung zu bekommen, aber Dank der Hilfe des Winzers Otto Grün haben wir für die erste Übernachtung ein sehr schönes Privatzimmer in Neuleiningen bekommen. Liegt 2 km oberhalb Sausenheim, starker Anstieg auf verkehrsreicher Straße ohne Rad- oder Fußweg (lebensgefährlich!) Trotzdem lohnt sich den Ort zu besuchen, meines Erachtens einer der schönsten auf der Tour.

    Spitzes Haus in Neuleiningen

17.9.2002 33 km: wieder hinunter und weiter über Kirchheim, Herxheim nach Kallstadt. Bis hier teilweise sehr verkehrsreiche Straße ohne Radweg mit stetem Bergauf. Hier gibt es viele Straußenwirtschaften, bei denen die Einkehr zum Neuen Wein mit Zwiebelkuchen jederzeit lohnt, wenn nicht sogar ein Muß ist. Weiter über Ungestein (altes römisches Weingut), Bad Dürkheim (bekannt wegen des jährlichen Wurstmarktes, Besuch des größten Weinfaßes der Welt), Wachenheim, Forst (mittelalterliches Ortsbild) nach Deidesheim (bekannt durch Ex-Kanzler Kohl = Deidesheimer Hof mit Spezialität Saumagen, schöne Altstadt mit Marktplatz, viele exotische Pflanzen, Obst und Gemüse). Weiter nach Gimmeldingen, Ortsteil von Neustadt/Weinstraße. Per Fahrrad etwas schwer zu erreichen, widersprüchliche Radschilder und z. T. fehlende Ortsschilder. Hier Übernachtung in einem Weingut, naja. Essen im Restaurant Winzer dafür sehr gut.

  Straußenwirtschaft in Kallstadt

18.9.2002 33 km: Neustadt/Weinstraße hat eine historische Altstadt mit vielen kleinen Gäßchen und sehenswerten Gebäuden. Man sollte ca. 2 Stunden für eine Besichtigung einplanen, entweder Fahrrad am Marktplatz abstellen und zu Fuß oder langsam fahren bzw. schieben. Man verläßt Neustadt Richtung Bahnhof/Jugendherberge und fährt dann unterhalb des Hambacher Schloßes durch die Weinberge über Maikammer nach Edenkoben. Wir haben uns dann für die Weinbergetour entschieden, nicht an der Autostraße entlang. Hier ging es dann über Rhodt, Hainfeld und  Burrweiler nach Frankweiler. Hier hatten wir wieder ein sehr schönes Privatquartier, sehr lustig, der Abend ist mit allen Gästen und Wirtsleuten beim Wein ausgeklungen. Mußten zum Essen allerdings 2 km nach Gleisweiler laufen, da an diesem Tag alle Kneipen usw. kollektiven Ruhetag hatten .

  Weinberge bei Deidesheim

19.9.2002 34 km: Der letzte Tag der Tour führte uns dann Siebeldingen, Ranschbach, Eschbach, Gleiszellen, Pleisweiler nach Bad Bergzabern. Sehr viele starke Anstiege auf der Teiletappe, sodaß wir etwas entkräftet Bad Bergzabern links liegen gelassen haben. Daß heißt, wir haben uns total verfranzt und sind über eine Stunde herumgeirrt, da die Schilder wiedermal so mangelhaft und selten auftauchen. Es erging übrigens nicht nur uns so, mehrere Radlergruppen irrten genauso herum. Eigentlich schade, denn Bad Bergzabern soll auch eine sehenswerte Innenstadt haben. Über Oberotterbach haben wir uns dann nach Schweigen-Rechtenbach weitergekämpft, wo wir keine Lust mehr zur Zimmersuche hatten und über die Touristeninformation ins nächstbeste Hotel geleitet wurden. Enttäuscht machten wir uns nach Duschen und Umziehen auf die Suche nach dem Ort und wurden positiv überrascht. Hinter dem Weintor rechts gehts in die Altstadt mit einigen Restaurants und Weinstuben. In einer solchen auf einem Weingut ließen wir den Abend bei einigen Schoppen Riesling + Kerner ausklingen.

20.9.2002 13 km: Heute fuhren wir hinab ins französische Wissembourg, da es in Schweigen keinen Bahnhof gibt. Wenn man sich hier durch die Industriegebiete gekämpft hat findet man eine alte romantische Altstadt mit großem Dom, vielen Geschäften, Cafes, Lokalen etc vor. Hier sollte man mehrere Stunden einplanen, wir mußten aber zum Bahnhof um den letzten chaotischsten Teil unserer Tour zu beginnen.

  Marktplatz in F-Wissembourg

Da wir unser Auto in Worms geparkt hatten, der Rückweg per Fahrrad aber wegen der vielen Hügel mindestens 2 Tage in Anspruch genommen hätte, haben wir die Bahn gewählt. Dies war ein "verwählen", wie wir jetzt wissen. Normalerweise hätte die Zugfahrt 1 1/2 Stunden mit 2 mal umsteigen gedauert. Wir verließen Wissembourg fahrplanmässig um 11.33 Uhr und kamen ca 50 Minuten später in Neustadt an. Zum umsteigen wären uns 4-5 Minuten geblieben, wenn der Zug dagewesen wäre. Dieser hatte aber eine Verspätung von vorerst 15 Minuten, die sich dann auf 30 Minuten erhöhte und letztendlich kam er überhaupt nicht. Wir mussten dann den nächsten fahrplanmässigen Zug 40 Minuten später nach Schifferstadt nehmen, unser dortiger Anschlußzug war natürlich längst weg, da die Fahrzeit Neustadt - Schifferstadt lediglich 15 Minuten beträgt. Der nächste Zug Schifferstadt - Worms wäre erst in knapp 2 Stunden gefahren, also hat man uns den Weg über Ludwigshafen empfohlen. Also wiedermal umsteigen, wenn er pünktlich gewesen wäre. Aber auch dieser Zug kam mit 8 Minuten Verspätung in Ludwigshafen an, Ergebnis: Zug nach Worms weg. Wieder 30 Minuten warten, bis wir dann letztendlich gegen 15.00 Uhr in Worms mit über 2-stündiger Verspätung eintrafen. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: auf einer Strecke von ca 85 km 2 Stunden Verspätung und 3 mal umsteigen! Einziger Vorteil: wir hatten das 24-plus-Ticket Rheinland-Pfalz für EUR 14,-- gekauft. So gesehen ist der Stundenpreis der DB garnichtmal so hoch.

Alle von uns gewählten und oben beschriebenen Strecken wurden spontan während der Tour entschieden. Es gibt viele andere Varianten, sicher mal schneller, mal langsamer. Wir haben aber auf Sicherheit, Natur und Wirtshäuser am Wegesrand Wert gelegt. Die unserer Information nach einzige Radwegekarte gibt es vom Pietruska Verlag. Sie wurde 2002 neu aufgelegt, siehe auch unter www.pietruska.de.

 

 

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Schreiben Sie mir doch mal:      17.10.2013